Erstveröffentlichung [www.kienle-koblenz.de]

Zum Thema
"Dähler Eck" und "Gesundheitszentrum Rechts des Rheins"

Bevor uns die Gerüchte überholen: Ja, es gibt Verhandlungen mit verschiedenen Nachbarkollegen mit dem Ziel eine gemeinsame Praxis zu gründen.
Und es gibt gute Gründe für einen solchen Neubeginn.
Die medizinische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte verlief so rasant, dass die Allgemeinmedizin (und auch der hausärztliche Internist) nur noch eine immer kleiner werdende Spitze dieses Eisberges alleine verantwortlich beherrschen kann. Die Zusammenarbeit von Ärzten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und aus verschiedenen Fachgebieten kann jedoch weiterhin eine optimale Versorgung der Patienten sicherstellen.
Ein zweiter Grund ist die veränderte wirtschaftliche Situation in der ambulanten Versorgung. Sinkenden oder gleichbleibenden Honoraren stehen steigende Kosten für Personal, Energie, Praxisbedarf, Miete und Gerätschaften gegenüber. Zusätzliche kostenintensive Anforderungen, wie Qualitätsmanagement, Chroniker-Programme, externe Fortbildung, sorgen bereits heute für zusätzliche Kosten und Zeitaufwand, die von einer Einzelpraxis alleine nur schwer zu schultern sind.
Hinzu kommen ganz einfache betriebwirtschaftliche Argumente: Gemeinsam kann man wirtschaftlicher arbeiten, Räume und teuere Medizintechnik gemeinsam nutzen, Mitarbeiter sinnvoller einsetzen. Der Praxisbetrieb steht nicht, nur weil der Doktor in Urlaub, zur Weiterbildung oder auch nur zu Hausbesuchen abwesend ist.
Das von uns angestrebte Ziel ist eine interdisziplinäre Arztpraxis mit allgemeinmedizinischem Schwerpunkt, in der Fachärzte, die teilweise auch in anderen (meist ihren originären) Praxen arbeiten, vollzeitig oder nach Bedarf nur zeitweise arbeiten. Mit einigen Ärzten sind wir schon in konkreten Verhandlungen, andere haben bereits ihr Interesse bekundet.
Hausärztlich soll zumindest in der Zeit, während der die zentrale Notdienstpraxis geschlossen ist, dauernd ein Arzt anwesend sein.

Dähler Eck um 1940

Zu allen "guten Gründen" gehört auch noch ein Anlass: Die Neuplanung des "Dähler Ecks".
Die Ecke der Hofstraße zur Charlottenstraße war durch Kriegseinwirkungen und Vernachlässigung in den vergangenen Jahren zu einer wirklichen "Dreckecke" geworden, deren Beseitigung allerdings erst jetzt nach Bau der B42-Umgehung Sinn macht.
Dort liegen die optimalen Voraussetzungen für ein Gesundheitszentrum: Das Zusammentreffen zweier wichtiger Straßen, ausreichend Platz, Bahnhof, Bushaltestellen von mehr als drei Linien, Fähre, und jede Menge Parkplätze vor der Tür.

Spielerei an der früheren Panzer-Verladerampe des Bahnhofs

Die Planung ist bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen, Die Miet- und Kooperationsverträge weitgehend unter Dach und Fach. Nicht abwarten, sondern mitmachen ist die Devise

!Eine mögliche Ansicht von morgen ...

Und nun auch noch einige Worte zur geplanten Architektur. Dieses Thema hat in Ehrenbreitstein und in den lokalen Medien schon zu einigem Wirbel und völlig irrationalen Polarisierungen geführt. Dabei sind die unterschiedlichen Interessen durchaus in einem Kompromiss zu vereinigen.

Welche Interessen haben die Beteiligten?

Der Bauherr: Eine möglichst große Mietfläche.

Der Mieter: Einen möglichst günstigen Mietpreis und moderne, vor Allem energiesparende Technologien.

Die Stadtplaner: Ein harmonisch in die Umgebung integrierter sauberer Neubau mit Integration der denkmalgeschützten Fassade des Exner-Hauses.

Die Anwohner: Eine Anpassung an die Architektur des Umfeldes. Dort finden sich aber vom Barock bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts alle nur denkbaren Baustile, Fassaden, Dachneigungen, Traufhöhen. Gegenüber, wo dasGeburtshaus von Clemens von Brentano stand, wurde kurz nach dem Krieg ein Haus wahrscheinlich aus Trümmergestein ohne jede Stilzuordnung gebaut. Daneben eine als Sonnenstudio genutzte "Betonschönheit" von Bahnhof,...

Der Architekt hat sich mit der Teilverglasung sehr geschickt aus der Affäre gezogen: Egal, aus welcher Richtung man hinsieht, es spiegelt sich immer ein anderes historisches Gebäude und ein anderer Baustil, sogar die Festung. Er verlängert und integriert innerhalb des optisch drei- bzw. viergliedrigen Baus sowohl die Achsen der Hofstraße, der Charlottenstraße und des Dikasterialgebäudes. Dies kommt den Idealvorstellungen des Bauherrn nicht entgegen und erhöht natürlich über die Baukosten wiederum den Mietpreis ...

Was Ehrenbreitstein dafür bekommt? Ein harmonisch in die unterschiedlichsten Baustile der vergangenen Jahrhunderte integriertes Zeugnis der Architektur des 21. Jahrhunderts und einen repräsentativen Ersteindruck, der mit der Gestaltung der Hofstraße nur noch ergänzt werden muss!