"Knipsen oder sehen?"

Das gleichnamige Essay von Max Frisch aus dem Jahre 1934 hat über viele Jahre meine Einstellung zur Kamera geprägt. Er schreibt vom "Erinnerungsbankrott" der Albumfüller, wenn sie dieses vergessen haben. Als stärkste Aussage erschien mir der Satz "Je mehr Photoapparate auf der Welt sind, umso weniger Menschenaugen gibt es; je mehr Films entwickelt werden, umso unentwickelter bleibt die Erinnerung."

Die Heerscharen der Dauerknipser in unserer touristisch geprägten Region, die weder Geräusche, noch Gerüche, geschweige denn Stimmungen oder soziale Kontakte wahrnehmen, verstärkten eine ablehnende Haltung - so auch bei mir.

Dann die ersten eigenen Kinder und der Versuch bestimmte Erinnerungen festzuhalten und die Erfahrung, dass mit der optischen Erinnerung bei einem gezielt und bewusst fotografierten Bild auch andere Sinne und ganze Geschichten reaktiviert werden. Zeitgleich die erste "vernünftige" Kamera: Eine Minolta XD7. Viel später dann die erste kleine digitale "Fine Pix" zunächst zum Dokumentieren bei der Arbeit zusammen mit den verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen. Damit das Erlebnis, dass man mit beidem wunderschönen kreativen "Unsinn" machen kann und dass man mit diesen Hilfmitteln Bilder, die im eigenen Kopf entstanden sind, auch für andere wahrnehmbar machen kann, wenngleich die Betrachter abhängig von ihren bewussten und unbewussten Erinnerungen wahrscheinlich etwas anderes sehen als ich: Andere Abläufe, andere Geräusche, andere Düfte.

Das Echo derer, die meine Bilder gesehen haben, war sehr motivierend, aber auch ernüchternd: "Was ist das Besondere an diesem Bild, außer, dass Du es fotografiert hast?"

Bilder anschauen, Lesen und Lernen über fotografische Techniken, Bildbearbeitung und eine neue Kamera waren der nächste Schritt. Ich nutze jetzt eine Olympus E-20P und lerne, lerne, lerne.

Meine heutige Antwort an Max Frisch wäre "Fotografieren kann man erst, wenn man das Sehen gelernt hat".

Zwischenzeitlich befand ich mich bereits drei Mal unter den Siegern von Fotowettbewerben und habe meine erste Einzelaustellung hinter mir. Ich glaube aber dennoch, meine "Naivität" mit der Kamera bewahrt zu haben und schäm mich lächelnd nicht, wenn einer der echten oder angenommenen Fotofreaks an bestimmten Fotos herummäkelt. Man darf das Alles nicht zu ernst nehmen: Hauptsache, mir macht es Spaß!

Die Fotos auf diesen Seiten sind auf eine relativ kleine Dateigröße komprimiert, was natürlich die optische Qualität deutlich mindert.